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Berufskollegs und Förderschulen weiten Unterricht aus – Betrieb in Volllast nicht in Sicht

27.04.2020/Kreis Coesfeld. In der vergangenen Woche wurde auch in den drei Berufskollegs und in zwei von drei Förderschulen des Kreises Coesfeld der Schulbetrieb wiederaufgenommen – allerdings mit starken Einschränkungen: In den Berufskollegs werden zunächst die Vollzeitklassen unterrichtet, die in Kürze ihre Prüfung ablegen, um die Allgemeine Hochschulreife (Abitur) oder die Fachhochschulreife zu erlangen; aber auch Berufsabschlussprüfungen nach Landesrecht werden vorbereitet. Gleichzeitig wird der Unterricht wieder für die Schülerinnen und Schüler der Berufsschule aufgenommen, die kurz vor der Abschlussprüfung stehen. In dieser Woche kommen dann, je nach Berufskolleg, andere Bildungsgänge hinzu, etwa Klassen, die zum Schuljahresende einen höheren Schulabschluss anstreben, zum Beispiel den Haupt- oder den mittleren Schulabschluss: „Bei uns werden ab dem 04.05.2020 auch die Berufsfachschulen und die Ausbildungsvorbereitung beschult. Das heißt konkret 128 Schülerinnen und Schüler werden ab nächster Woche Montag zusätzlich neben den beginnenden Prüfungen in der zweijährigen Berufsfachschule (Höheren Handelsschule) und der Prüfungsvorbereitung des Beruflichen Gymnasiums beschult. Das Berufliche Gymnasium beginnt am 12.05 mit den schriftlichen Abiturprüfungen. Nur in diesem Bildungsgang ist das „Angebot“ freiwillig und kann auch online genutzt werden“, berichtet Schulleiter Marc-André Tews vom Oswald-von-NellBreuningBerufskolleg in Coesfeld.

In einem dritten Schritt werden dann die Unter- und Mittelstufen dazukommen. „Wer von Öffnung der Schulen hört, mag damit verbinden, dass der normale Schulbetrieb allmählich wiederaufgenommen wird. Das wird aber in absehbarer Zeit nicht möglich sein“, stellt Schulleiter Klaus Schneider vom Pictorius-Berufskolleg in Coesfeld klar. Das hat zwei wesentliche Gründe: Da bis zu 40 Prozent der Lehrkräfte, aufgrund ihres Alters und persönlicher Risikofaktoren, in den Schulen nicht unterrichten dürfen, also nicht im Präsenzunterricht eingesetzt werden können, steht nicht das gesamte Personal zur Verfügung.

Der zweite Grund ergibt sich aus den verbindlichen Vorgaben zum Infektionsschutz: Die Abstandsregel bedeutet für die Schulen, dass Klassen geteilt werden müssen. Sie werden dann entweder parallel von zwei Lehrkräften beschult oder kommen an unterschiedlichen Tagen in die Schule. „Ganz grob zugespitzt bedeutet dies: Wir haben doppelt so viel Lerngruppen und halb so viel Lehrkräfte“, betont Schneider. Selbstverständlich werden die Lehrkräfte, die nicht akut erkrankt sind, weiterhin von zu Hause aus Aufgaben stellen oder ihre Korrekturarbeit für die Prüfungen erledigen. „Die Vorstellung, dass die Lehrkraft, die keinen Präsenzunterricht erteilen darf, aus einem Nebenraum elektronisch unterrichtet, ist jedoch illusorisch“, unterstreicht Schneider. Dies sei weder organisatorisch noch technisch machbar.

Schulleiterin Sabine Neuser vom Richard-von-Weizsäcker-Berufskolleg in Lüdinghausen und Dülmen umreißt die weitere Entwicklung: „Vermutlich wird es also bis zu den Sommerferien einen Mischbetrieb mit Präsenztagen und Homeschooling geben.“ Auch die Schulen befinden sich in einer sehr ungewissen Situation. „Es bleibt offen, wann wieder ein Schulbetrieb unter Volllast mit dem ganzen Lehrerkollegium möglich ist“, unterstreicht Schneider.

Bei den Förderschulen gehen zunächst die Abschlussklassen der Pestalozzischule mit 28 Schülerinnen und Schüler sowie die Steverschule mit 36 Schülerinnen und Schüler an den Start.

Aktuell haben sich alle Beteiligten ins Zeug gelegt, um einen möglichst sicheren Schulbetrieb zu gewährleisten: Desinfektionspunkte wurden eingerichtet, genaue Sitzpläne der geteilten Gruppen erarbeitet und umgesetzt; wo möglich, wurden besondere Verkehrswege innerhalb der Gebäude ausgewiesen. Der Schulträger und auch das Gesundheitsamt haben die Vorkehrungen geprüft. Gleichzeitig wurden die Prüfungstage terminiert. „Wir haben die große Hoffnung, dass die anstehenden Prüfungen ohne einen Infektionsausbruch oder eine neue Ansteckungswelle abgeschlossen werden können“, so Schneider. Vor dem Hintergrund der neuen Maskenpflicht in NRW sei die gemeinsame Empfehlung richtig, auch in der Schule Masken zu tragen.